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Eine Schülergitarre ist die maßstäbliche Verkleinerung einer normal großen Gitarre – alle Abmessungen, ausgenommen die Saitenabstände an Steg und Sattel. – Terz-, Quint- oder Oktavgitarren sind so nicht zu empfehlen – bei ihnen stimmen die Proportionen einfach nicht überein: Der Hals zu dick, Zarge zu breit, Korpus zu groß, Saitenspannung zu hoch.
Eine „normale“ Gitarre (mit 65 cm Mensurlänge) passt perfekt auf einen 1.80 großen Menschen und in der Praxis hat sich auch gezeigt, dass dieses Verhältnis (in dem Fall 18o : 65, also 1 : o,36) immer passt. Ist ein Kind also beispielsweise 1.14 cm groß empfiehlt sich nach Adam Riese eine Mensurlänge von 41 cm.
Es ist ja so: AnfängerInnen werden mit einer falsch proportionierten Gitarre zwangsläufig falsche Haltungs- und Bewegungsmuster einlernen. Der erste Instrumentalunterricht wirkt aber absolut prägend, eingelernte negative Muster können später – wenn überhaupt – nur mit großem Aufwand "verlernt" werden.
Bei Schülergeigen und -violoncelli gibt es ein fest aufeinander abgestimmtes Größensystems – wobei das Violoncello der Gitarre in Tonlage und Korpusdimension weitgehend entspricht. Schon deshalb ist es bei der Erstellung eines Größensystems für Schülergitarren nahegelegen, sich daran zu orientieren – und so haben sich auch bei der Gitarre die Bezeichnungen „Ganze“, „Halbe“, „Viertel“ und „Achtel“-Gitarre eingeschlichen, wobei es weder bei den Streichinstrumenten wie bei Gitarren bedeutet, dass beispielsweise ein Achtel-Instrument auch nur ein Achtel der Größe des ganzen Instruments aufweist.
Von 1987 bis 1989 hat die European Guitar Teachers Association, Sektion Deutschland (EGTA D) in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer „Institut für Saiteninstrumente Gitarre und Laute“ (ISIGL) ein Größensystem sowie Konstruktionsrichtlinien für den Bau von Schülergitarren erstellt, beides dient seit 1990 als Grundlage für die Ausschreibung der EGTA-Gitarrenbauwettbewerbe zur Erstellung von Schülergitarren. 1989 veröffentlicht der österreichische Gitarrenpädagoge Ekard Lind unabhängig davon sein eigenes Größensystem für Schülergitarren, das er auf der Basis mehrjähriger Forschungsarbeit erstellt. Linds System ist demjenigen der EGTA so weit ähnlich, dass 1993 beide Systeme zusammengeführt werden.
Lind hat auch den „Ellbogentest“ für eine erste Einschätzung entwickelt: Der Ellenbogen wird dabei bei aufrecht hingestellter Gitarre am 12. Bund auf die Zarge gestützt – den Unterarm an den Gitarrenhals gelegt. Die Gitarre passt, wenn der Arm maximal gebeugt wird und daber der äußere Knöchel des Handgelenks zwischen ersten und zweiten Bund zu liegen kommt (das klingt kompliziert, unsere MitarbeiterInnen kennen sich aber damit gut aus).
Danach wird die Körper- und Instrumentenhaltung kontrolliert: Haltungsprobleme der rechten Hand weisen dabei auf eine zu große Gitarre hin, genauso gehört es zum Erscheinungsbild einer zu großen Gitarre, wenn die Bundabstände der ersten Lage für die linke Hand zu weit sind.
Eine zu kleine Gitarre wird wiederum durch die linke Hand erkennbar: Ist sie zu breit, gibt es Probleme mit den zu geringen Bundabständen in den hohen Lagen.
Bei Unsicherheiten ist grundsätzlich günstiger, die kleinere Gitarre zu nehmen. Ausnahmen:
> sehr lange Arme
> sehr große Hände
> sehr hohe Spreizfähigkeit der Hände
> sehr hohe allgemeine Beweglichkeit des Hand-Finger-Apparates
> sehr gut entwickeltes Körpergefühl (mögliche Fehlentwicklungen sind später korrigierbar)
> bald zu erwartender Wachstumsschub
Anm.: Dieser Beitrag hat teilweise die inhaltlichen Grundaussagen eines Artikels der European Guitar Teachers Association, Sektion Deutschland (EGTA D) übernommen. Wir danken der EATA D für´s "Abpausen" der Erkenntnisse. Den Originalartikel lesen Sie hier.
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